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Aktuelle Meldungen der Bildungskoordinatoren

Das aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung geförderte Projekt "Kommunale Bildungskoordination für Neuzugewanderte" informiert über sprachliche sowie non-formale Bildungsangebote für Neuzuwanderte im Landkreis Oberhavel und vernetzt haupt- und ehrenamtliche Bildungsakteure. Gemeinsam mit verschiedenen Fachdienstbereichen der Landkreisverwaltung, Bildungsträgern und gesellschaftlichen Akteuren arbeitet die Bildungskoordination daran, Kursangebote und Projekte sich verändernden Bedarfen anzupassen und aufkommenden Herausforderungen mit neuen Ideen zu begegnen.

Auf dieser Seite finden Sie regelmäßig aktuelle Meldungen der Bildungskoordinatoren des Landkreises Oberhavel.

September-Ausgabe des Newsletters Bildung und Integration erschienen

Der Newsletter kann hier heruntergeladen werden.

IGEL – Integration gelingt

Viele geflüchtete arbeitssuchende Eltern und Alleinstehende müssen sich nicht nur die Sprachkenntnisse aneignen, sondern auch im neuen Alltag ankommen. Arbeitssuchende Eltern und Alleierziehende müssen bei Ämterwegen oder der Jobsuche oftmals ihre Kinder mitnehmen. Das Programm "IGEL – Integration gelingt " der Nestor Bildungsinstitut GmbH bietet dieser Zielgruppe gezielte und vielfältige Unterstützungsmaßnahmen an, die Eltern entlasten und die Aufnahme einer Berufstätigkeit erleichtern.

Zu den Programminhalten zählen unter anderem Bewerbungstraining, fachpraktische Erprobung zur Berufsorientierung, berufsbezogene Kenntnisvermittlung, Kommunikationstraining, Computerkurs und Deutsch als Fremdsprache und Sozialarbeit "Die Stärken von IGEL liegen neben der Kompetenz unserer Jobcoaches und Integrationsbegleiterinnen und -begleiter  in der individuellen Zielsetzung, die persönliche Lebenssituationen berücksichtigt", sagt Dana Max, die Verantwortliche der Nestor Bildungsinstitut GmbH am Standort in Oranienburg.  "Seit dem Programmstart im Jahr 2015 haben wir 200 Erwachsene mit und ohne Migrationshintergrund und 92 Kinder und Jugendliche betreut. Bislang ist es uns gelungen, 48% der Teilnehmenden in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu vermitteln, Bildung oder Ausbildung", so Frau Max weiter.

Eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche berufliche Eingliederung der Eltern ist eine gute Kinderbetreuung, die IGEL mit der Hausaufgabenbetreuung und integrativer Projektarbeit gewährleistet.

Das Programm wird vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert. Der Schulungsort befindet sich in den Räumlichkeiten des Trägers Nestor Bildungsinstitut GmbH in der Andrè-Pican-Straße 39a, 16515 Oranienburg statt.  

Ausführliche Informationen zum Programm, den Ansprechpartnern und den Kontaktinformationen finden Sie hier.

Ausstellung und Workshops zu Sichtweisen junger Migrantinnen und Migranten auf ihre zweite Heimat Brandenburg

Das Projekt "Einstieg Oberhavel" ist seit 2015 im Norden des Landkreises aktiv und am Georg-Mendheim-Oberstufenzentrum angesiedelt, wo es junge Menschen mit schwierigen Ausgangsbedingungen auf ihrem Weg in Ausbildung und Beruf unterstützt. Seit 2017 wird es ergänzt durch das Projekt „Beruf und Integration im ländlichen Raum“, das Begegnungen zwischen jungen Menschen aus der Region und Jugendlichen mit Fluchthintergrund fördert. Die DGB-Jugendbildungsstätte Flecken Zechlin und Forum Arbeit e. V. sind die Träger dieser Angebote. Landkreis Oberhavel unterstützt die Projekte bei der Umsetzung der Ziele. 

Für Dezember organisieren "Einstieg Oberhavel" und „Beruf und Integration im ländlichen Raum“ zusammen mit Jugendlichen die Ausstellung "Heimat Brandenburg". Die Bildungskoordination sprach mit der Leiterin des Projekts "Einstieg Oberhavel", Dr. Martina Panke über die Ausstellung.

Frau Dr. Panke, welche Werke werden bei der Ausstellung "Heimat Brandenburg" präsentiert?

Dokumentiert werden sollen sowohl die Perspektive junger Migrantinnen und Migranten als auch die Erfahrungen von jungen Erwachsenen, die in der Region aufgewachsen sind: Es geht um Arbeiten und Leben im Landkreis, um die Bedingungen im ländlichen Raum, um Lebenssituationen und Zukunftsvorstellungen junger Erwachsener verschiedener Herkunft.

Wie entstand die Idee für diese Ausstellung?

Wir arbeiten seit 2015 am Georg Mendheim-Oberstufenzentrum mit Auszubildenden, Schülerinnen und Schülern sowie Teilnehmenden von Maßnahmen wie „Berufsvorbereitung“ und „Berufsgrundbildung“ und wir lernen viele junge Erwachsene durch unsere Kooperationspartner kennen. Seit 2016 sind auch junge Menschen mit Fluchthintergrund dabei. Wir haben diese jungen Leute nicht nur beraten, in Praktika vermittelt und auf die nächsten Schritte in Arbeit und Beruf vorbereitet, sondern auch besondere Anstrengungen darauf verwandt, Einheimische und Zugewanderte einander ein Stück weit näher und in Kontakt zu bringen. Was wir dabei immer beobachtet haben: Die Erfahrungen, Lebensbedingungen und Probleme dieser jungen Menschen werden öffentlich kaum wirklich wahrgenommen. Und das gilt für Einheimische und Zugewanderte gleichermaßen. Wer kennt schon die Lebensbedingungen und Schwierigkeiten, mit denen junge Flüchtlinge zu kämpfen haben, aus deren Sicht? Aber genauso gilt: Wer kennt schon das Leben von angehenden Verkäuferinnen und Verkäufern, Handwerkerinnen und Handwerkern, Absolventinnen und Absolventen verschiedener Übergangsmaßnahmen, die im ländlichen Raum aufgewachsen sind? Sie alle müssen einen (ihren) Weg in die Zukunft finden – auch, wenn der Bus nicht fährt.

Was wird die Ausstellung beinhalten?

Die Ausstellung präsentiert kurze Texte aus Interviews mit den beteiligten jungen Erwachsenen sowie Fotos und Fotocollagen, die Jugendliche zusammen mit professionellen Fotografen und Fotografinnen erarbeitet haben. Die Interviews behandeln die Fragen: Wie sehe ich mein Leben im ländlichen Brandenburg? Was ist für mich schön, was ist schwierig? Was ist mir in meinem Leben wichtig? Wie sehe ich meine Zukunft – hier oder woanders? Für die Eröffnung am 09.12.2019 in Zehdenick wird eine professionelle Schauspielerin mit einer Gruppe eine szenische Lesung aus diesen Texten vorbereiten – hier treten dann Jugendliche und junge Erwachsene selbst auf die Bühne.

Was erhoffen Sie sich von der Ausstellung?

Wir bringen die Lebensbedingungen und Lebensentwürfe von jungen Menschen zur Sprache, die oft in Stereotypen wahrgenommen und denen Vorurteile entgegen gebracht werden. Wir wollen mit der Ausstellung dazu beitragen, Unkenntnis und Vorurteile zu überwinden, indem wir das Leben in der Region aus der Perspektive dieser jungen Leute vorstellen – so vielfältig und unterschiedlich wie ihre Sichtweisen sind.  

Im Rahmen der Vorbereitung auf die Ausstellung finden in den Herbstferien Workshops statt, an  denen sich Jugendliche beteiligen können. Womit werden sich die Workshopteilnehmenden beschäftigen? Können sich Interessierte noch anmelden?

Eine Gruppe wird sich mit der künstlerischen Gestaltung der Ausstellung befassen – wir wollen, dass die Beteiligten auch die Auswahl der Bilder und Texte mitgestalten. Aber wir haben noch mehr vor: Eine bildende Künstlerin, mit der wir seit langem zusammenarbeiten, wird mit Jugendlichen einen weiteren Ausstellungsbeitrag erarbeiten - ein Bild von sich selbst, als Maske.

Für die Mitarbeit an diesem Masken-Projekt können Interessierte gern noch einsteigen. Es sind noch Anmeldungen möglich: Der Workshop findet vom 17.10. bis zum 20.10.2019 in der DGB-Jugendbildungsstätte in Flecken Zechlin statt und ist kostenfrei. Bei Interesse bitte melden, wir freuen uns! (martina.panke@dgb-jbs.de, 0171 4406462 oder uwe.flock@dgb-jbs.de, 0152 24393014).

Vielen Dank für das Gespräch!

Im Rahmen der Ausstellung wird "Einstieg Oberhavel" vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und der EU gefördert. Das Projekt „Beruf und Integration im ländlichen Raum“ erhält im Rahmen des Programms "Demokratie leben" eine Förderung vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

LEB e. V. in Hennigsdorf startet integrationsbegleitende Kinderbetreuung bei Sprachkursen

Die Ländliche Erwachsenenbildung e. V. (LEB e. V.) in Hennigsdorf bietet seit dem 23.09.2019 erstmalig Sprachkurse mit der integrationsbegleitenden Kinderbetreuung an. Alle Teilnehmenden von Alpha-, Zweitschriftlerner- sowie allgemeinen Integrationskursen haben die Möglichkeit, die Kinderbetreuung in Anspruch zu nehmen. Das Konzept vom LEB e. V. entsprach den "Mindestanforderungen des Landkreises Oberhavel an integrationsbegleitende Kinderbetreuung im Rahmen von Sprachkursen" und wurde vor Kurzem genehmigt. Die Betreuung durch qualifiziertes Personal findet in kindgerecht eingerichteten Räumen statt. Betreut werden Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren.

Informationen zu den Deutsch-Sprachkursen von LEB e. V. finden Sie hier.

Eröffnung des "Hallo-Nachbar-Ladens" in Zehdenick

Plakat: Einladung zur Eröffnung des Hallo-Nachbar-Ladens

© Willkommensinitiative Zehdenick

Am 05.10.2019 findet in Zehdenick die Eröffnung des "Hallo-Nachbar-Ladens" statt. Die geplante Begegnungsstätte soll zu einem Ort mit vielfältigen Angeboten für neuzugewanderte und einheimische Zehdenickerinnen und Zehdenicker werden. Die Bildungskoordination sprach mit Gudrun Lomas vom Kunstverein Zehdenick e. V. über das Projekt.

Frau Lomas, wie entstand die Idee zur Gründung einer neuen Begegnungsstätte für neuzugewanderte und einheimische Zehdenickerinnen und Zehdenicker?

Die Interessengemeinschaft „Zehdenick leben“ hat im Herbst 2018 mit großer Beteiligung verschiedener Zehdenicker Institutionen eine moderierte Ideenbörse/Zukunftswerkstatt veranstaltet, wo unter anderem auch der Wunsch aufkam, ein Repaircafé für alle Zehdenicker Bürgerinnen und Bürger zu eröffnen. Daraus entwickelte sich die Idee des Kunstvereins Zehdenick e. V., das Projekt „Hallo Nachbar – Marktstraße 2“ zu initiieren.

Welche Organisationen stehen hinter dem Projekt?

Hinter dem Projekt steht der Kunstverein Zehdenick e. V. unter Anleitung der Projektmanagerin Petra Delport und mit tatkräftiger sowie finanzieller Unterstützung der Willkommensinitiative der Stadt und des Landkreises Oberhavel.

Auf welche Angebote können sich die Besucherinnen und Besucher freuen?

Im "Hallo-Nachbar-Laden" werden Hausaufgabenhilfe, Kreativkurse und Pilates angeboten. Hier finden zudem Sprachcafé, Reparaturtage, Märchenstunden, Oma-Opa-Tage, Tauschbörse und Kaffeeklatsch statt.

Von wem wurden Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen in den letzten Wochen und Monaten beim Aufbau der Begegnungsstätte unterstützt?

Unser Dank gilt den Aktiven der Willkommensinitiative, der GEWO und zahlreichen Helferinnen und Helfern. Die Koordination lag bei Petra Delport und Gudrun Lomas.

Welche Impulse sollen vom Begegnungscafé ausgehen? Welche Ziele möchten Sie mit dem Projekt erreichen?

Wir wünschen uns viele Besucherinnen und Besucher für unseren „Hallo-Nachbar-Laden“, der sich im Stadtzentrum befindet, interessante Begegnungen, Diskussionen und Impulse für ein harmonisches und aktives Zusammenleben aller Zehdenickerinnen und Zehdenicker.

Kostenloses Projekt für geflüchtete Frauen kann ab sofort von den Willkommensinitiativen des Landkreises Oberhavel angefragt werden

Die Willkommensinitiativen im Landkreis Oberhavel können ab sofort die Durchführung des Projekts "Raise – reflektierte Erziehung schafft Freiheit" der Mansour-Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention (MIND prevention) GmbH anfragen, für das "Tolerantes Brandenburg" Mittel zur Verfügung gestellt hat. Bei Interesse setzen Sie sich bitte mit der Kommunalen Bildungskoordination in Verbindung. Zielgruppe des Projekts sind Mütter mittleren Alters mit Flucht- und/oder Migrationserfahrungen aus muslimisch und patriarchal geprägten Heimatländern.

Durch "Raise" sollen die Teilnehmerinnen lernen, ihre bisherigen Einstellungen zu diskutieren und zu hinterfragen. Zugleich sollen sie in die Lage versetzt werden, ihre Werte, Einstellungen und Meinungen zu den Themen Erziehungsmethoden, Gleichberechtigung, Geschlechterrollen, Mutterrollen, Islamverständnis und Antisemitismus frei zu formulieren und neue Denkanstöße in ihre Familien mitzunehmen. Das Workshop-Programm gibt teilnehmenden Müttern die Gelegenheit, verschiedene Erziehungsmethoden zu reflektieren. Auf diese Weise soll den Frauen die Angst vor den gesellschaftlichen Normen in Deutschland genommen werden.

Zu den Themen des Workshops zählen unter anderem die Rollen der (Ehe-)Frauen und Mütter in patriarchalen Strukturen, Weiblichkeits– und Männlichkeitskonzepte  in der Erziehung und in Bezug auf religiöse Narrative, Bildung, Berufstätigkeit, Partnerschaftskonzepte sowie Gewalt in Erziehung und Ehe.

Bereits im Juni fand in Fürstenberg an der Havel ein Pilot-Workshop des Projekts statt. Alle Teilnehmerinnen hatten Freude am Denken und Reden über die schwierigen Themen, fühlten sich wohl in der Offenheit sowie Vertrautheit und knüpften neue Kontakte.

Mit dem Projekt ermöglicht die Mansour-Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention (MIND prevention) GmbH Frauen mit Erziehungsverantwortung einen Dialog auf Augenhöhe.

Förderprogramm "Kulturelle Bildung und Partizipation": Förderanträge für integrative Projekte können bis zum 15.10.2019 eingereicht werden

Im Rahmen des Förderprogramms "Kulturelle Bildung und Partizipation" fördert das Land Brandenburg Projekte mit dem Schwerpunkt "Interkulturelle Vielfalt und Integration". Das Programm richtet sich an Kommunen sowie Kitas, Grundschulen, Kultureinrichtungen, Vereine, Verbände, gemeinnützige Gesellschaften und Stiftungen.

Förderanträge für Projekte kultureller Bildung können bis zum 15.10.2019 eingereicht werden.

Die Förderung ist in zwei Förderlinien möglich. Bei der ersten Förderlinie werden Projekte ab 2.500 Euro gefördert (Projektlaufzeit: frühestens 01.01.2020 bis maximal 31.12.2020). Mit der zweiten Förderlinie werden strukturbildende Maßnahmen ab 20.000 Euro im Jahr gefördert (Projektlaufzeit: frühestens 01.01.2020 bis maximal 31.12.2022).

Eine zweite Ausschreibungsfrist für Projekte der ersten Förderlinie, die in der zweiten Jahreshälfte beginnen, endet am 15. Mai 2020. Für alle Projekte im kommenden Jahr stehen insgesamt 400.000 Euro zur Verfügung. Alle Antragsformulare, obligatorische Anlagen, Checkliste zur Beantragung sowie Fördergrundsätze finden Sie hier. Die Mitarbeitenden der Plattform Interkulturelle Bildung Brandenburg stehen bei Fragen zur Antragsstellung sehr gerne zur Verfügung. Alle Kontaktinformationen finden Sie hier.  

"Neuzugewanderte Familien können von den Kursangeboten des Eltern-Cafés in Oranienburg profitieren"

Viele Neuzugewanderte sind auf neue Kontakte sowie Bildungs- und Freizeitangebote angewiesen. Der Eltern-Kind-Treff (EKT) bietet ein sehr breit gefächertes Angebot für Familien in Oranienburg. Die Bildungskoordination sprach mit Martin Lehnart, dem Leier des Eltern-Kind-Treffs, über sehr vielfältige Familienunterstützung der Begegnungsstätte.

1. Für wen steht das Eltern-Café in der Kitzbüheler Straße 1 offen?

Der Eltern-Kind-Treff (EKT) ist eine am Gemeinwesen orientierte Begegnungsstätte für Familien der Stadt Oranienburg und bietet Familienunterstützung im weitesten Sinne an. Mittels Angeboten, Kursen, Projekten, Vorträgen, Workshops und Sonderveranstaltungen soll das „Familie(n)leben“ gestärkt werden. Vorrangig werden daher Angebote geschaffen, die darauf abzielen, die Freizeit gemeinsam zu verbringen beziehungsweise zu gestalten. Gemeinsam mit den Kooperationspartnern werden niederschwellige Angebote zu den Themenbereichen Beratung, Bildung, Ernährung, Gesundheit, Musik, Kunst, Kultur und Sport realisiert. Im Mittelpunkt stehen die Stärkung des Eltern- Kind- Verhältnisses und die Förderung der Familie mit Kindern (bis zwölf Jahre).

2. Wie können Mitarbeitende Ihrer Einrichtung Eltern in schwierigen Situationen unterstützen?

Unser Angebot für Familien ist sehr breit. Das Schöne daran ist, dass so alle Besucherinnen und Besucher etwas für sich finden können. Sie haben hier die Möglichkeit, mit den unterschiedlichsten Menschen in Kontakt zu treten und Anschluss zu finden. Meist hilft es schon, ein ungezwungenes Gespräch mit Gleichgesinnten zu führen und sich dadurch gemeinsam zu stärken. Das ist es im Besonderen, was eine Begegnungsstätte ausmacht. Darüber hinaus haben wir für die individuellen Problemlagen der Familien gern ein offenes Ohr.

Bei Bedarf kann auch ein Beratungstermin vereinbart werden, in dem wir uns im Einzelgespräch mit den Themen auseinandersetzen können. Wir sind breit vernetzt mit Beratungsstellen, Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen oder auch weiteren Netzwerken der Familienhilfe in Oranienburg und Umgebung. Passende Literatur und Informationsmaterial kann man sich bei uns auf Nachfrage ausleihen. Wir sind auch immer gern bereit, Informationsabende zu konkreten Themen zu organisieren. Sprechen Sie hierfür unser Team an und geben uns Anregungen, was Sie beschäftigt und interessiert.

3. Wie können neuzugewanderte Familien von den Angeboten des Eltern-Cafés profitieren?

Als familienorientierte Begegnungsstätte bieten wir in unserem offenen Eltern-Café vor allem die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen, die verschiedensten Menschen kennenzulernen und gemeinsam den Nachmittag zu verbringen. Das schult zum einen die Sprache und trägt auch zu einem guten Miteinander bei. Wir sind weitläufig mit Beratungsstellen und anderen Angeboten in Oranienburg vernetzt, die sich insbesondere auf die Bedürfnisse neuzugewanderter Familien spezialisiert haben und können die Eltern breit vermitteln. Neuzugewanderte Familien können ebenso, wie alle anderen, an unseren Kursangeboten teilnehmen. Bei den regelmäßigen Kreativangeboten während des Eltern-Cafés, können die Familien viele einfache Anregungen zum gemeinsamen Gestalten und Basteln für zu Hause mitnehmen. Unsere große Spielecke hält viele Spielmöglichkeiten für die Kinder bereit und die Eltern können sich etwas entspannen.

4. Die pädagogischen Kräfte des Eltern-Kind-Treffs betreuen die Schülerinnen und Schüler bei der Erledigung ihrer Hausaufgaben. Welche methodischen Ansätze werden dabei verfolgt und welchen Nutzen können dabei die Eltern ziehen?

Die pädagogischen Fachkräfte des Eltern-Kind-Treffs bieten für Schulkinder die Möglichkeit an, bei der Erledigung der Hausaufgaben zu unterstützen, und können darüber hinaus auch Nachhilfe mit bestimmten Unterrichtsschwerpunkten in Anspruch nehmen. In der Regel sind schlechte schulische Leistungen der Grund zur Nachhilfe zu gehen, die Ursachen dafür können jedoch vielfältig sein. Daher ist unser pädagogisches Anliegen, eine ganzheitliche Form der Nachhilfe zu schaffen, also zu einer positiven Lernatmosphäre beizutragen, die ein Lernen leichter ermöglich. Die Eltern sitzen nicht mit beim Nachhilfeangebot, sondern haben Zeit um einen Kaffee zu trinken.

Für Kinder, die bald eingeschult werden, jedoch noch Probleme mit der deutschen Sprache haben, ist unser Vorschulangebot genau das Richtige. Hier werden in Kleingruppen spielerisch und altersgerecht sowohl Sprache als auch Motorik gefördert. Dieses Angebot dauert circa 30 bis 45 Minuten mit kleineren Pausen.

5. Das Team des Cafés hat sich auf digitale Medien als Schwerpunktthema spezialisiert. Welche Hilfestellung kann Ihr Team den Besucherinnen und Besuchern bei diesem schwierigen Thema leisten?

Zunächst einmal ist das Eltern-Café losgelöst vom Gesprächscafé „Medienfit durchs Kinderzimmer“ zu betrachten. Das Gesprächscafé findet samstags am Vormittag statt und hat zum Ziel, an einigen aufeinanderfolgenden Terminen für Eltern relevante Medienthemen aufzugreifen, zu besprechen und zu diskutieren. Im Rahmen des Gesprächscafés geben wir Hinweise zu medienerzieherischen Fragestellungen sowie Handlungsempfehlungen zum kindgerechten Umgang mit Medien. Die Eltern können Erfahrungen austauschen und lernen einige neue Methoden hinzu, wie sie ihr Kind bei der Entdeckung der umfangreichen Medienwelt begleiten können. Außerdem ist es möglich, einen Termin für eine Einzelberatung zu vereinbaren. Wenn sich gleich mehrere Interessierte zu einem konkreten Thema finden, kann auch ein Informationsabend organisiert werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Ausführliche Information zu den Angeboten des Eltern-Kind-Treffs finden Sie hier.

"Gelebte Integration kommt in unserer Gesellschaft an"

Unter dem Motto "Zusammen (er)leben, Zusammen wachsen" führten der Verein Bürgersinn Glienicke e.V. mit den ehrenamtlich Engagierten der Initiative "Willkommen in Glienicke/Nordbahn" sowie mit Unterstützung der Gemeindeverwaltung Glienicke/Nordbahn zwei Exkursionen durch. Die Bildungskoordination sprach mit Frau Tanja Seyboldt und Herrn Ulrich Berend vom Bürgersinn Glienicke e.V. über die Exkursionen, an denen einheimische und neuzugewanderte Glienickerinnen und Glienicker teilgenommen haben.

Frau Seyboldt, Herr Berend, unter dem Motto "Zusammen (er)leben, Zusammen wachsen" führten Sie mit dem Verein Bürgersinn Glienicke e.V., den ehrenamtlich Engagierten der Initiative "Willkommen in Glienicke/Nordbahn" sowie der Gemeindeverwaltung Glienicke/Nordbahn zwei Exkursionen durch.  Am 20.07.2019 war Ihre Gruppe im Germendorfer Zoo unterwegs, am 10.08.2019 besuchte die Gruppe das Schiffshebewerk Niederfinow mit einer Schifffahrt durch das Schiffshebewerk. Wer nahm an den beiden Exkursionen teil?

Neben den durch die Initiative betreuten Geflüchteten, nahmen interessierte Glienicker Bürgerinnen und Bürger an diesen Ausflügen teil. Dabei waren Alter und/oder Herkunft vollkommen unerheblich. Wichtig für uns war die Neugier auf Mitmenschen und die Freude auf Neues, eben das Interesse an diesen zwei erlebnisreichen Exkursionen.

Welchen Beitrag können diese Exkursionen zur Integration Geflüchteter sowie zu deren gesellschaftlicher Teilhabe beitragen und weitere Frage: inwieweit können einheimische Glienicker Bürger von den Ausflügen profitieren?

Zunächst einmal sind die bei uns in Wohnungen lebenden Geflüchteten Glienicker Bürgerinnen und Bürger. Wir differenzieren hier nicht, denn die Geflüchteten sind schon seit mehreren Jahren in Glienicke ansässig, können bei Bedarf auf unsere Unterstützung zählen. Im Vergleich haben sie sich schon gut integriert. Ziel der Exkursionen war daher, neben dem gesellschaftlichen Miteinander, das gegenseitige Kennenlernen, das gemeinsame Erleben, kurz und gut, wir haben das Motto der diesjährigen Interkulturellen Woche „Zusammen leben, zusammen wachsen im Landkreis Oberhavel“ ernst genommen und für uns und die Gemeinde Glienicke/Nordbahn umgesetzt. Bei beiden Ausflügen haben insgesamt mehr als achtzig Personen teilgenommen, und bei der Planung wussten wir nicht, was uns vor Ort mit einer solchen heterogenen Gruppe erwartet. Aber Mimik, Gestik, Fragen und auch Kommentare Außenstehender, gerade bei den Begegnungen an den Orten unserer Exkursionen, machen uns Hoffnung, dass die Menschen und gelebte Integration in unserer Gesellschaft ankommen.

An dieser Stelle bedanken wir uns ausdrücklich beim Land Brandenburg und dem Landkreis Oberhavel für die finanzielle Unterstützung und bei der Gemeinde Glienicke für die materielle und personelle Unterstützung. Denn ohne diese Hilfen wären diese oder auch andere unserer Integrationsprojekte nicht möglich.

Das Besondere an den Ausflügen ist, dass die Teilnehmenden von einem professionellen Filmteam begleitet werden. Welches Ziel verfolgte das Filmteam?

Wie schon im vergangenen Jahr, als das Thema „Heimat“ erfolgreich und unter großer positiver Resonanz der Glienicker Bevölkerung visualisiert wurde, wird in diesem Jahr der Versuch unternommen, das Motto der Interkulturellen Woche 2019 in einer gleichnamigen Multivisionsschau zu visualisieren. Sie soll Dinge zeigen, die entstehen können, wenn man sich aufeinander zubewegt und bei dem Anderen für sich und seine Herkunft Interesse weckt, auf dass etwas Neues und Größeres sich daraus entwickeln kann. Das Filmteam begleitete die Gruppe an, für sie unbekannte Orte und nahm Empfindungen und Reaktionen live und vor Ort auf.

Wann und wo wird die multimediale Foto- und Filmprojektion (Multivisionsschau) zu sehen sein?

Die Gemeindeverwaltung Glienicke/Nordbahn richtet zusammen mit uns die Abschlussveranstaltung der Interkulturellen Woche hier in Glienicke aus. Die Veranstaltung findet am 27.09.2019 in der Aula des Neuen Gymnasiums in Glienicke/Nordbahn statt. Hier wird nicht nur die Multivisionsschau zu sehen sein, sondern auch unser anderes Projekt im Rahmen der Märchenwoche, das Projekt „Kalif Storch“.

Vielen Dank für das Gespräch!

August-Ausgabe des Newsletters Bildung und Integration erschienen

Der Newsletter kann hier heruntergeladen werden.

"Von den auszubildenden Geflüchteten geht eine besonders hohe Motivation aus"

Am 15.07.2019 wurde das Gesetz über Duldung bei Ausbildung und Beschäftigung im Bundesgesetzblatt verkündet. Das Gesetz ist Teil des umfassenden Migrationspaktes und tritt am 1. Januar 2020 in Kraft. Die Bildungskoordination sprach mit Constantin Bräunig vom "Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge" über das neue Gesetz sowie mögliche Fördermaßnahmen für auszubildende Geflüchtete in den Unternehmen.

Constantin Bräunig, Projektreferent des Netzwerks Unternehmen integrieren Flüchtlinge

© Viktor Strasse/ Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge

Herr Bräunig, die Regelungen zur Ausbildungsduldung haben ja bereits bestanden. Was ändert sich mit dem neuen Gesetz und warum wurde die Überarbeitung erforderlich?

Die Regelungen zur Ausbildungsduldung werden in einen eigenen Paragrafen überführt. Die Anpassungen sind eine Reaktion auf die Erfahrungen, die seit der Einführung vor ca. drei Jahren mit der Ausbildungsduldung gemacht wurden. Insbesondere die unterschiedlichen Auslegungen von Bundesland zu Bundesland und von Ausländerbehörde zu Ausländerbehörde wurden immer wieder beanstandet. Dies ist bspw. mit einer Konkretisierung des Begriffs „aufenthaltsbeende Maßnahmen“ versucht worden. Es gibt einige Erleichterungen, aber auch Verschärfungen der bisherigen Regeln:       

  • Die Ausbildungsduldung wird auch auf sogenannte Helfer- und Assistenzberufsausbildungen ausgeweitet, sofern die sich anschließende qualifizierte Berufsausbildung angeschlossen und zugesagt wird.
  • Es wird eine dreimonatige Vorduldungsfrist eingeführt. Dies bedeutet, dass eine Ausbildungsduldung frühestens beantragt werden kann, wenn der oder die angehende Auszubildende mindestens drei Monate im Besitz einer regulären Duldung nach AufenthaltG §60a gewesen ist. Dies gilt nicht, wenn die Ausbildung schon während des laufenden Asylverfahrens begonnen wurde.
  • Die Ausbildungsduldung kann nun (bundeseinheitlich) frühestens sechs Monate vor Ausbildungsbeginn erteilt und maximal sieben Monate vor Ausbildungsbeginn beantragt werden.
  • Wird die Ausbildung abgebrochen, muss die Bildungseinrichtung (bei einer dualen Ausbildung der Ausbildungsbetrieb) nun innerhalb von zwei Wochen (früher eine Woche) der Ausländerbehörde den Abbruch der Ausbildung melden.
  • Die Versagensgründe wurden konkreter ausdefiniert. So kann beispielsweise das erste Beratungsgespräch zur freiwilligen Rückkehr nach der Ablehnung des Asylantrags oder die Aufforderung zur Passbeschaffung nicht mehr als aufenthaltsbeende Maßnahme gewertet werden. Die genauen Details finden Sie in unserem Infopapier.

Eine Ausbildung schafft für junge Neuzugewanderte Lebensperspektiven und hilft bei der Integration. Inwieweit können Unternehmen von den neuzugewanderten Auszubildenden profitieren?

Viele unserer Mitgliedsunternehmen berichten uns, dass sie durch die Ausbildung von Geflüchteten nicht nur ihrer sozialen Verantwortung für ihre Region nachkommen, sondern auch Ausbildungsplätze besetzen konnten, die in den letzten Jahren aufgrund von Bewerbermangel immer öfter leer geblieben waren. So haben sich Betriebe gerade in Regionen mit geringer Arbeitslosenquote und/oder hohem Fachkräftemangel besonders eingesetzt und hier viele positive Erfahrungen gemacht. Dazu zählt auch, dass oftmals eine besonders hohe Motivation von den Geflüchteten ausgeht, die sich auch auf den Rest der Belegschaft überträgt. Dazu bringen Menschen aus anderen Kulturkreisen oftmals auch eine neue Sichtweise mit, die einen Dinge anders einschätzen lässt oder auch dabei hilft, einen neuen Kundenstamm für sich gewinnen zu können.

Welche Förderprogramme bzw. -Maßnahmen zur beruflichen Orientierung unterstützen zurzeit die jungen Neuzugewanderten beim Ausbildungseinstieg?

Geflüchteten in Ausbildung stehen – abhängig vom Aufenthaltsstatus – alle Fördermittel zur Verfügung, die auch deutschen Azubis unter die Arme greifen, wenn sie Probleme in der Ausbildung haben. Zur Orientierung vor der Ausbildung hat sich besonders die Einstiegsqualifizierung bewährt, ein einjähriges, gefördertes Praktikum, in dem bereits auch die Berufsschule besucht werden kann. Während der Ausbildung können die ausbildungsbegleitenden Hilfen, die assistierte Ausbildung und auch die Berufssprachkurse des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge in Anspruch genommen werden. Darüber hinaus gibt es das Projekt „VerA“ – Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen des Senior Expert Services, bei dem Senioren im Rahmen von Tandems die jungen Menschen begleiten und bei Schwierigkeiten während der Ausbildung unterstützen.

Wichtig ist, dass diese Fördermöglichkeiten – falls nötig – möglichst frühzeitig in Anspruch genommen werden und nicht erst kurz vor der Prüfung, dann ist es meist schon zu spät. Hierfür ist auch eine offene und ehrliche Kommunikation mit den Azubis wichtig.

Auf welche Weise kann die Integration von geflüchteten Auszubildenden in Unternehmen erleichtert werden?

Die Unternehmen sollten sich vorbereiten, dass die Ausbildung von Geflüchteten auch immer mit etwas mehr Aufwand verbunden sein könnte. Sprachliche Hürden, überwältigende neue Eindrücke und das oftmals völlig unbekannte duale Ausbildungssystem können zu Beginn überfordernd sein. Gerade hierbei kann die Einstiegsqualifizierung ein sehr gutes Mittel sein. Und wenn sich der oder die Auszubildende gut schlägt, kann die Ausbildung dann direkt im zweiten Lehrjahr begonnen und das Jahr in der EQ angerechnet werden. Außerdem ist es sinnvoll, bei Schwierigkeiten die vorhandenen Fördermöglichkeiten frühzeitig in Anspruch zu nehmen und hier auch die jungen Menschen so gut es geht zu unterstützen. Hier haben sich oft auch Patenmodelle zwischen Azubis als sehr hilfreich erwiesen.

Bei sprachlichen Herausforderungen können auch die Berufssprachkurse des BAMF ausbildungsbegleitend in Anspruch genommen werden. Hier kann der Betrieb durch einen Kostenbeitrag (2 Euro/Unterrichtseinheit) oder beispielsweise die Möglichkeit geben, zwei Stunden pro Woche während der Ausbildungszeit als Lernzeit einzurichten und hier auch für Fragen zur Verfügung zu stehen.

Darüber hinaus können auch die interkulturellen Unterschiede für Missverständnisse sorgen. Hier ist es wichtig, sich und die Belegschaft im Vorfeld dafür ein wenig zu sensibilisieren und auf alle Rücksicht zu nehmen. Dann ist es in der Regel ein Mehrwert und kein Problem.

Die Erfahrung der meisten Unternehmen zeigt aber: Mit Geduld, gegenseitigem Respekt und Verständnis kann die Ausbildung von Geflüchteten erfolgreich gestaltet werden und unsere Mitgliedsunternehmen sagen: Es lohnt sich – packen Sie es an!

Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge

Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge – eine Initiative des Deutschen Industrie- und Handelskammertages – unterstützt Betriebe aller Größen, Branchen und Regionen, die geflüchtete Menschen beschäftigen oder sich ehrenamtlich engagieren wollen. Die Initiative wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. "Die Kurzübersicht Migrationspaket", in der das Netzwerk u.a. die Neuregelungen zur Beschäftigung und Ausbildung Geflüchteter darstellt, kann hier heruntergeladen werden.

Additive Zusatzqualifizierung  für Lehrkräfte "Lernschwierigkeiten im Unterricht mit Schwerpunkt Trauma"

Die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zusammen mit weiteren Organisationen neu konzipierte additive Zusatzqualifizierung (ZQ) für Lehrkräfte "Lernschwierigkeiten im Unterricht mit Schwerpunkt Trauma" wird ab sofort von mehreren Weiterbildungseinrichtungen angeboten. Mit dem Erwerb der Zusatzqualifizierung erhalten Lehrkräfte das Wissen und die Kompetenz für einen traumasensiblen Unterricht. Mit der Fortbildungsmaßnahme sollen Lehrkräfte in die Lage versetzt werden, potenzielle Herausforderungen im Gruppenprozess zu erkennen, mögliche Lösungswege zu entwickeln, in individuellen Krisensituationen angemessen zu reagieren und das Unterrichtsgeschehen zu lenken.

Die Zusatzqualifizierung umfasst 32 Unterrichtseinheiten in der Präsenzphase sowie zehn Unterrichtseinheiten in der Selbstlernphase. Alle nach § 15 Absatz 1 Integrationskursverordnung (IntV) beziehungsweise nach § 15 Absatz 2 IntV zugelassenen Integrations- wie auch alle zugelassenen Berufssprachkurslehrkräfte können auf ihren Antrag hin unter bestimmten Voraussetzungen die ihnen von der ZQ-Einrichtung in Rechnung gestellten Kurskosten für die Zusatzqualifizierung vom BAMF rückerstattet bekommen.

Ausführliche Informationen zur Zusatzqualifizierung sowie zu den Voraussetzungen der Kostenerstattung finden Sie auf der Webseite des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge.

Die Übersicht der zugelassenen Einrichtungen der additiven Zusatzqualifizierung „Lernschwierigkeiten im Unterricht mit Schwerpunkt Trauma“ kann hier heruntergeladen werden.

Bei Fragen zu den aktuellen Terminen der Zusatzqualifizierungsmaßnahme wenden Sie sich bitte an die Bildungskoordination.

Migrationspaket der Bundesregierung: Zugang zur Sprachförderung für Gestattete, Förderung von Auszubildenden und Studierenden, Ausbildungs- und Beschäftigungsduldung

Mit dem Ausländerbeschäftigungsförderungsgesetz (in Kraft getreten am 01.08.2019) ergeben sich Änderungen für Asylbewerberinnen und Asylbewerber beim Zugang zu den Integrationskursen. Dies gilt wie bisher für Gestattete mit guter Bleibeperspektive sowie neu für arbeitsmarktnahe Gestattete mit unklarer Bleibeperspektive, wenn sie vor dem 01.08.2019 eingereist sind und sich seit mindestens drei Monaten gestattet in Deutschland aufhalten. Bei den Arbeitsmarktnahen handelt es sich um Personen, die bei der Agentur für Arbeit ausbildungssuchend, arbeitssuchend oder arbeitslos gemeldet, beschäftigt beziehungsweise in betrieblicher Berufsausbildung sind oder in einer Einstiegsqualifizierung, in einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme oder in der ausbildungsvorbereitenden Phase der Assistierten Ausbildung gefördert werden.

Geduldete können zudem nach sechs Monaten geduldetem Aufenthalt Zugang zu Berufssprachkursen erhalten, wenn sie arbeitsmarktnah sind. Für diese Gruppe werden Berufssprachkurse auch unterhalb des Sprachniveaus B1 durchgeführt, da sie bislang keinen Zugang zu Integrationskursen hatte.

Mit dem dritten Gesetz zur Änderung des Asylbewerberleistungsgesetzes (bislang noch nicht im Bundesgesetzblatt veröffentlicht) wird die "Förderlücke" für Asylbewerberinnen und Asylbewerber sowie Geduldete in Ausbildung geschlossen, die bislang aus finanziellen Gründen zu Ausbildungs- und Studienabbrüchen geführt hatte. Asylbewerberinnen und Asylbewerber können nun während einer Berufsausbildung oder eines Studiums durchgängig Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen.

Mit dem Gesetz über Duldung bei Ausbildung und Beschäftigung, das am 01.01.2020 in Kraft tritt, wurden Voraussetzungen für den Erwerb einer Duldung und eines Aufenthalts bei Ausbildung und Beschäftigung vereinfacht. Mit der veränderten Ausbildungsduldung und neu eingeführten Beschäftigungsduldung soll mehr Rechtsklarheit und Rechtssicherheit für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sowie gut integrierte Geduldete erreicht werden.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat alle Änderungen in einem Faktenpapier Migrationspaket zusammengefasst. Klicken Sie hier, um die Webseite mit dem Faktenpapier zu öffnen.

Zwei Oberhaveler unter 150 START-Stipendiatinnen und –Stipendiaten bundesweit

Unter ihren bundesweit 150 Neu-Stipendiatinnen und –Stipendiaten befinden sich nach Auskunft der START-Stiftung in diesem Jahr zwei Oberhaveler. Wie Stiftungsmitarbeiterin Kerstin Risse mitteilte, hätten außerdem vier weitere Bewerberinnen und Bewerber aus dem Landkreis die Zwischenrunde erreicht.

Bei der START-Stiftung handelt es sich um eine Initiative der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Die jährlich vergebenen START-Stipendien fördern nach Auskunft der Stiftung "herausragende junge Menschen mit Migrationserfahrung, denen die Zukunft unserer Demokratie am Herzen liegt".

Im Rahmen des dreijährigen Bildungs- und Engagementprogramms besuchen die Stipendiatinnen und Stipendiaten Veranstaltungen und Seminare zu fachlichen Themen und Zukunftsfragen und werden durch Landeskoordinatoren und -koordinatorinnen betreut. Auch durch die Finanzierung von Büchern, Schulmaterialien, Workshops, Internetgebühren und weiteren Bildungsmaßnahmen sollen Potenziale und die persönliche Entwicklung der geförderten Schülerinnen und Schüler entfaltet werden.

Eine Bewerbung in den Monaten Februar und März eines jeden Jahres ist an bestimmte Voraussetzungen gebunden: In Frage kommen Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren, die selbst oder deren Mutter oder Vater nach Deutschland zugewandert sind, die aktuell mindestens die 9. Klasse besuchen, mindestens drei weitere Jahre auf eine allgemein- oder berufsbildende Schule gehen werden und Deutsch mindestens auf dem Niveau GER-B1 beherrschen.

Insgesamt werden in den nächsten drei Jahren sieben brandenburgische Stipendiatinnen und Stipendiaten des Bewerbungsjahrgangs 2019 gefördert. Außerdem befinden sich derzeit fünf weitere Oberhaveler Schülerinnen und Schüler aus den Auswahlrunden 2017 und 2018 im Stipendienprogramm.

In Zusammenarbeit mit Oberhaveler Schulen hat die Bildungskoordination Schülerinnen und Schüler auf die Förderung der START-Stiftung aufmerksam gemacht. Wir gratulieren den beiden Neuzugängen in der START-Community und wünschen eine bereichernde Zeit!

Verbraucherzentrale Brandenburg mit mehrsprachigem Beratungsangebot für Neuzugewanderte

Neuzugewanderten sind die Gefahren des Konsumalltags oft nicht bewusst. Für sie hat die Verbraucherzentrale Brandenburg ein mehrsprachiges Beratungsangebot ins Leben gerufen, um deren Kompetenz als Verbraucher zu stärken. Das Vorhaben wird vom Landesministerium der Justiz und für Europa und Verbraucherschutz gefördert. In den Beratungsgesprächen stehen Themen auf dem Programm, mit denen Neuzugewanderte in ihrem Alltag besonders oft konfrontiert sind. Dazu zählen zum Beispiel Mobilfunkverträge, Abschlüsse ungewollter Verträge, "Abofallen" und "Abzocke im Internet", Abmahnungen wegen illegaler Downloads, unseriöse Anbieter von Kreditkarten und Kreditvermittlung im Internet sowie hohe Strom- und Energiekosten in der ersten Wohnung.

Neben der Beratung führt die Verbraucherzentrale Vorträge und Workshops für Migrantinnen und Migranten durch, schult Multiplikatoren und stellt mehrsprachige Informationsbroschüren zur Verfügung. Die Vorträge und Workshops werden in einfacher Sprache und mit Sprachmittler*innen vor Ort angeboten. Bei Interesse können Sie die Verbraucherzentrale per E-Mail unter willkommen@vzb.de kontaktieren.

Detaillierte Informationen zum Verbraucherschutz für Neuzugewanderte finden Sie unter https://www.verbraucherzentrale-brandenburg.de/migranten

In der Infothek werden Verbraucherrechte einfach erklärt: https://www.verbraucherzentrale-brandenburg.de/infothek

Mehrsprachige Checklisten zu unterschiedlichen Verbraucherschutzthemen können unter folgendem Link aufgerufen werden https://www.verbraucherzentrale-brandenburg.de/migranten/mehrsprachige-checklisten-26301  

Tipps und Themen für Flüchtlingshelferinnen und –helfer sind hier zu finden https://www.verbraucherzentrale-brandenburg.de/fluechtlingshilfe/tipps-fuer-helfer

Neuzugewanderte nehmen an einer Führung in der Clara-Zetkin-Gedenkstätte teil

Am 24. Juli fand für neuzugewanderte Borgsdorferinnen und Borgsdorfer eine Führung in der Clara-Zetkin-Gedenkstätte statt, die von der Bildungskoordination initiiert wurde.Die Historikerin Manuela Dörnenburg vom Förderverein der Clara-Zetkin-Gedenkstätte Birkenwerder stellte vor ca. 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmern das  Leben von Clara Zetkin vor, die als Politikerin, Publizistin und Theoretikerin ein halbes  Jahrhundert lang die deutsche wie die internationale proletarische Frauenbewegung mitgeprägt hatte. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben während der Führung nicht nur den Einblick in das Leben von Clara Zetkin, sondern auch in ein wichtiges Kapitel der deutschen Frauenbewegung bekommen. Während der Führung haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mehrere Fragen an Frau Dörnenburg gestellt und Ihre Ausführungen mit großem Interesse verfolgt. "Toll, dass so viele Interessierte, darunter viele Jugendliche, an der Führung teilgenommen haben. Es hat mir viel Spaß bereitet", so Frau Dörnenburg.

Manuela Dörnenburg vor der Clara-Zetkin-Gedenkstätte

© Landkreis Oberhavel

Der Förderverein der Clara-Zetkin-Gedenkstätte Birkenwerder setzt sich ein für den Erhalt des Hauses, den systematischen Aufbau eines Archivs, die Vermittlung und den Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse auf Fachtagungen und durch die Arbeit in der Gedenkstätte. Der Verein freut sich auf Ihre Spenden. Detaillierte Informationen zum Verein finden Sie hier: Flyer des Fördervereins (PDF).

"Kochen über den Tellerrand" – Interkultureller Austausch im Haus der Möglichkeiten in Leegebruch

Das “Haus der Möglichkeiten“ in Leegebruch ist laut eigener Webseite ein "kulturelles und künstlerisches Zentrum für alle Bürgerinnen und Bürger – unabhängig von Alter, sozialem Hintergrund und Herkunft". Neben Spielenachmittagen, Sport- und Deutschkursen finden hier auch regelmäßig interkulturelle Kochveranstaltungen statt.

Dazu gehört das integrative Erfolgskonzept "Kochen über den Tellerrand", das Menschen unterschiedlicher Herkunft verbindet und voneinander lernen lässt. Susanne Grätsch begleitet die seit 2015 stattfindenden Treffen von Beginn an.

Für die Webseite der Bildungskoordination hat sie einen Rückblick zum Kochabend am 29. Juni verfasst und gibt so einen Vorgeschmack auf den im Rahmen der Interkulturellen Woche des Landkreises geplanten kulinarischen Themenabend "Kenia" am 28. September 2019 ab 16.00 Uhr, den dann eine kenianische Familie vorbereiten wird:

„In der Küche riecht es nach exotischen Gewürzen, wie Ingwer und Koriander. Ein bisschen Limette ist dabei und natürlich Kurkuma. I. [Namen im Folgenden von der Redaktion gekürzt] und seine Frau sind am Herd beschäftigt und braten Hühnerspieße, während sie den kochbegeisterten Teilnehmern Hinweise geben, was man beim "Pakistanisch Kochen" beachten sollte. „Wenn der Rauch aus der glühenden Kohle das Fleisch würzt, bekommt es noch einen viel edleren Geschmack“, bemerkt I. auf Englisch.

Grillspieße

© Grätsch

Die Küche im "Haus der Möglichkeiten" in Leegebruch ist voll mit neugierigen Mitköchinnen und Mitköchen aus aller Welt. Vorher wurde schon gemeinsam Paprika, Zwiebeln, Knoblauch und Ingwer geschnippelt. Noch mehr Menschen sitzen im Hauptraum, der wie ein Café eingerichtet ist. Hier unterhält sich R. aus Syrien mit H. aus Deutschland. S. aus Kenia fachsimpelt mit J. aus Afghanistan über den Einstieg in den Arbeitsmarkt. Kinder aus Deutschland, Kamerun, Pakistan und Kenia toben durcheinander. Es ist laut und bunt und alle warten, dass das Essen endlich fertig ist.

Bestimmt schon zum 20. Mal findet am 29. Juni das "Kochen über den Tellerrand" statt. Die Köchinnen und Köche kommen aus aller Herren Länder. Wir haben gelernt, dass in Kamerun Fleisch mit trockenem Fischpuder gewürzt wird und sich Maniok anfühlt wie Kaugummi. Das syrische Essen trifft unsere Geschmacksnerven sehr. Reis mit Rosinen und Curry, dazu Tabouleh, der Petersiliensalat, der mit Limette gewürzt wird – köstlich! Auch Russisch, Persisch, Afghanisch, Thailändisch und Palästinensisch hatten wir schon. Und auch Vegetarisch und Königsberger Klopse standen mal auf der Tagesordnung.

Die Herausforderung ist, dass man nie weiß, wie viele Menschen dabei sein werden. Mal sind es 20, mal 40. Manchmal reicht das Essen nur knapp für alle, an anderen Tagen nehmen alle noch viel mit nach Hause. Manche der Köchinnen und Köche sind regelmäßig dabei – man kennt sich und freut sich, sich wiederzusehen. Doch immer wieder kommen auch neue Besucherinnen und Besucher dazu. Es spricht sich herum, dass man hier nicht nur neue exotische Geschmacksrichtungen ausprobieren, sondern auch mehr über Land und Leute erfahren und spannende Menschen kennen lernen kann.

Pakistanisch Kochen

© Müller-Schwartz

Mittlerweile hat die Wartezeit ein Ende. Es kommt Bewegung in die Truppe. Die Sonne hat sich hinterm Haus zurückgezogen, also können die Tische rausgestellt und gedeckt werden. Eine lange Tafel entsteht mit Blick auf den Innenhof. 43 Besucherinnen und Besucher haben wir diesmal. Apfelsaft wird ausgeschenkt und dann flaniert jeder mit seinem Teller an der Essensausgabe vorbei. Ein Stück Hühnchen mit 

Tomaten-Curry-Sauce und Reis, dazu ein Hühnchenspieß mit grüner Sauce aus Minze, Koriander und Joghurt. Zum Nachtisch gibt es süßen Reis. Es schmeckt fantastisch. Ein Blick über die lange Tafel zeigt: Alle essen mit großem Appetit. Sogar für die Vegetarierinnen und Vegetarier wurde ein separates Gericht aus Kichererbsen gezaubert.

„Wann findet das nächste Kochen statt?“ fragt B. „Wir wollen unbedingt wieder dabei sein!“ Der nächste Termin ist nach der Sommerpause am 7. September geplant. Was gekocht wird, ist noch nicht klar. Aber dass es lecker wird, davon gehen wir aus.“

Informationsportale vermitteln Wissenswertes über das Leben in Deutschland

Aus Bundesmitteln werden zwei Informationsportale gefördert, die zum einen Hintergrundwissen über die Bundesrepublik vermitteln, zum anderen mit im Ausland kursierenden Gerüchten über das Leben in Deutschland aufräumen sollen. Zielgruppen sind in erster Linie Migrantinnen und Migranten. Aber auch hauptamtliche und ehrenamtliche Akteure, die im Bereich Integration tätig sind und sich täglich mit grundsätzlichen Fragen Neuzugewanderter zum Leben in Deutschland konfrontiert sehen, erfahren viel Wissenswertes.

"Tatsachen über Deutschland - Das Portal mit aktuellen Daten, Fakten und Informationen über Deutschland" bietet allen, die sich für Deutschland interessieren, in kompakter und leicht verständlicher Weise Informationen zu Staat und Politik, Wirtschaft, Umwelt, Bildung, Kultur, Gesundheit, Gesellschaft und Lebensart. Videos sowie Facebook-Nachrichten und Tweets der Informationsseite Deutschland.de sind in die Seite eingebettet. Das Portal ist in mehreren Sprachen verfügbar – neben allen offiziellen Sprachen der Vereinten Nationen (Englisch, Französisch, Arabisch, Russisch, Spanisch und Chinesisch) sogar auf Indonesisch und Ukrainisch. Am Ende der Seite kann ein Booklet mit Zahlen und Fakten in jeder der zur Verfügung stehen Sprachen entweder als E-Paper gelesen oder als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

Das andere Portal, "#rumours about germany. facts for migrants", richtet sich vorrangig an Personen im Ausland, die mit dem Gedanken spielen, nach Deutschland auszuwandern. Die Webseite ist ebenfalls mehrsprachig (Englisch, Französisch, Arabisch, Farsi, Dari, Tigrinya) angelegt und gibt Antworten auf häufig gestellte Fragen, zum Beispiel "Wer genießt Bleiberecht in Deutschland und wer nicht?". Gleichzeitig warnt das Portal vor unsicheren Fluchtrouten oder Gerüchten, die von Menschenschmugglern verbreitet werden.

Juni-Ausgabe des Newsletters Bildung und Integration erschienen

Der Newsletter kann hier heruntergeladen werden.

"Die meisten Jugendlichen berichten, dass sie kaum bis gar keinen Kontakt zu Menschen mit Fluchterfahrung haben" – Interview mit der Leiterin des Projekts "Menschen treffen Menschen"

Die Stiftung für Engagement und Bildung e. V. bringt mit dem Projekt "Menschen treffen Menschen" das Thema Flucht und Migration ins Klassenzimmer. "Menschen treffen Menschen" gibt Schülerinnen und Schülern der Klassen 9 bis 12 die Möglichkeit, in direkten Kontakt mit Menschen zu kommen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen mussten. Das Projekt gewann im vergangenen Jahr den dritten Platz des Integrationspreises Potsdam und erreichte bisher über 1.000 Schülerinnen und Schüler. Durch die Förderung des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg können die Workshops kostenlos angeboten werden.

Die Bildungskoordination sprach mit der Leiterin des Projekts, Marie Offermanns, über die Methodik und den Einfluss der Workshops auf die Jugendlichen.

Frau Offermanns, welchen Eindruck hinterlassen Gespräche mit den Geflüchteten bei den deutschen Jugendlichen?

Wir besuchen die Jugendlichen im Klassenraum und bieten ihnen einen offenen Raum für alle Fragen, die sie an jemanden haben, der die Erfahrung gemacht hat, sein Zuhause, seine gewohnte Umgebung und oftmals auch seine Familie hinter sich lassen zu müssen. Die meisten Jugendlichen berichten, dass sie kaum bis gar keinen Kontakt zu Menschen mit Fluchterfahrung haben. Viele der Schülerinnen und Schüler zeigen großes Interesse am Thema Flucht und Migration, aber sie wissen nicht mehr als das, was man im Fernsehen sieht: Überfüllte Schlauchboote und Tausende Menschen in Camps, die in Zelten übernachten. Die Gespräche mit den geflüchteten Teamern hinterlassen oftmals einen erkennbaren Eindruck bei den Jugendlichen und erzeugen Verständnis für ihre Situation.

Auf welchen Methoden basieren Ihre Workshops?

Unsere Projekttage wollen nicht nur Inhalte zu einem komplexen Thema vermitteln. Wir wollen den Schülerinnen und Schülern auch Workshops anbieten, die eine Abwechslung zum Schulalltag darstellen. Deshalb verwenden wir eine Vielzahl von Medien und Methoden. Ein Beispiel ist unser 4-Ecken-Quiz, das wir immer zu Beginn spielen. Dabei gehen wir auf ein paar grundlegende Fakten ein und erfassen das Vorwissen der Jugendlichen: "Wie viel Geld erhält ein Asylsuchender als staatliche Hilfe?" Und: "Wie viele Menschen hat Deutschland seit 2015 im weltweiten Vergleich aufgenommen?" Ein weiteres Beispiel ist das Simulationsspiel "auf der Flucht", in dem den Schülerinnen und Schülern auf spielerisch-didaktische Weise die Herausforderungen einer Flucht vermittelt werden.

Wie können die Workshopteilnehmenden ihr in den Workshops erworbenes Wissen im Alltag anwenden?

Die Basis unserer Workshops ist die Erarbeitung und Vermittlung von Inhalten zu Fluchtursachen und die Situation in Herkunftsländern, zu Fluchtwegen und Gefahren und Hürden auf der Flucht, sowie zu den Schwierigkeiten des Ankommens in Deutschland. Aufbauend darauf wird im Klassenraum diskutiert, was "denn eigentlich Integration ist" und welche Rolle die Aufnahmegesellschaft in diesem Prozess spielt. Ziel der Projekttage ist es, den Schülerinnen und Schülern die Komplexität des Begriffes zu vermitteln. Am Ende der Projekttage wird dieses Wissen angewandt: Die Jugendlichen entwickeln ein eigenes Willkommensprojekt in ihrer Stadt, wie etwa ein internationales Fußballturnier oder ein Sprachcafé. An einigen Schulen, die wir bisher besuchen durften, wurden sogar einige dieser Ideen in die Tat umgesetzt.

Hinweis: Möchten Sie das Projekt "Menschen treffen Menschen" an Ihrer Schule durchführen? Dann setzen Sie sich bitte mit der Bildungskoordination in Verbindung.

Förderfonds #WirsindBrandenburg unterstützt Jugendverbandsarbeit mit Geflüchteten

Sie planen Bildungsangebote und Maßnahmen zur Freizeitgestaltung junger Geflüchteter? Der Förderfonds #WirsindBrandenburg unterstützt Jugendverbandsarbeit mit Geflüchteten mit bis zu 750,00 Euro pro Antrag. Der Förderfonds lässt junge Menschen mit Fluchterfahrung an bestehenden Strukturen und Maßnahmen zur Interessenvertretung teilhaben und unterstützt deren Einbindung in Jugend- und Verbandsarbeit.

Zuwendungsempfänger sind Jugendverbände und verbandliche Jugendbildungsstätten. Darüber hinaus können Vereine gefördert werden, die Mitglied des Kreisjugendringes Oberhavel sind. Die Maßnahmen dürfen vor Bewilligung der Zuwendung noch nicht begonnen haben und müssen bis zum 31.12. des jeweiligen Kalenderjahres abgeschlossen sein.

Gefördert werden Sachkosten, Honorarkosten für Koordinierungs-, Betreuungs-, Übersetzungsleistungen sowie Teilnahmebeiträge für junge Geflüchtete (für Kurse, Seminare, Ferienfreizeiten des antragsstellenden Trägers).  Ein Eigenanteil ist nicht erforderlich. Das Antragsformular und die Förderrichtlinie finden Sie unter folgendem Link.

Muttersprachlicher Unterricht Arabisch – ab 05.06.2019 auch in Velten

Ab dem 05.06.2019 wird muttersprachlicher Unterricht an der Löwenzahn-Grundschule in Velten angeboten. Das kostenfreie Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler aller Klassenstufen mit der Erstsprache Arabisch. Teilnehmen können auch Schülerinnen und Schüler anderer Schulen.

"Wir freuen uns, mit Frau Asmaa Ghandora eine versierte Lehrerin für den muttersprachlichen Unterricht in Velten gefunden zu haben und können damit das Unterrichtsangebot in Oberhavel ausweiten", sagt Lena Fleck, Projektleiterin "Muttersprachlicher Unterricht" bei den Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) Brandenburg. Die Löwenzahn-Grundschule in Velten ist damit die sechste Schule im Landkreis, die muttersprachlichen Unterricht anbietet.

Der Unterricht wird ab dem 5. Juni jeweils mittwochs und donnerstags von 14.00 bis 15.30 Uhr in der Löwenzahn-Grundschule, Hermann-Aurel-Ziegler-Straße 20 in 16727 Velten stattfinden. Beim ersten Unterricht sind Eltern herzlich eingeladen, zuzuschauen und Fragen zu stellen.

Kontakt: l.fleck@raa-brandenburg.de

Das Informationsblatt in deutscher und arabischer Sprache finden Sie hier.

Experten diskutieren Bildungsmaßnahmen für psychisch beeinträchtigte Geflüchtete

Am 8. Mai trafen sich Experten aus Oberhavel und Berlin, um die Möglichkeit der Etablierung von Sprach- und Bildungsangeboten bzw. sozialen Integrationsmaßnahmen für psychisch beeinträchtigte Geflüchtete im Landkreis Oberhavel zu diskutieren.

Netzwerktreffen

© Landkreis Oberhavel

Juri Galperin, Kommunaler Bildungskoordinator, stellte die Zahlen der Untersuchungen der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und des Wissenschaftlichen Instituts der AOK vor, nach denen rund drei Viertel der Schutzsuchenden unterschiedliche Formen von Gewalt erfahren haben. Die Rate der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) ist laut der DGPPN bei Flüchtlingen und Asylbewerbern im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung um das bis zu zehnfache erhöht. Etwa drei Viertel (74,7 Prozent) der befragten Schutzsuchenden aus Syrien, Afghanistan und dem Irak gaben in der Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK an, Gewalt in unterschiedlichen Formen persönlich erlebt zu haben. Rund 58 Prozent der Befragten haben 2 oder 3 Traumata erlebt. Der Bildungskoordinator machte zudem auf die Bedeutung des Spracheerwerbs bei psychisch beeinträchtigten Geflüchteten aufmerksam, der eine wichtige Voraussetzung für die gleichberechtigte Teilhabe an den ökonomischen, sozialen und kulturellen Ressourcen der Gesellschaft darstellt.

Dr. Said Ibaidi, Migrationspsychologe des Landkreises Oberhavel, berichtete anhand vier konkreter Beispiele davon, welche Probleme Geflüchteten mit psychischen Beeinträchtigungen beim Lernen der deutschen Sprache haben. Geflüchtete seien tatsächlich motiviert, die deutsche Sprache zu erlernen, aber sie seien unzufrieden mit dem Lernfortschritt, so Herr Dr. Ibaidi. Das läge nach deren Aussagen an ihren psychischen Erkrankungen, die Schlaf- und Konzentrationsprobleme zur Folge hätten, führte der Migrationspsychologe aus und plädierte für einen sensiblen und personenbezogenen Umgang mit psychisch beeinträchtigten Menschen.

Die Leiterin des im Jahre 2015 von der WIB-Weißenseer Integrationsbetriebe GmbH gestarteten Projekts "Integration geflüchteter Menschen", Carina Hahn, machte auf die Bedeutung der interkulturellen Kompetenz, übergreifendes Wissen und gute Vernetzung mit anderen Hilfsangeboten bei der Arbeit mit psychisch erkrankten Geflüchteten aufmerksam. Zu den Schwerpunkten des Projekts zählen Berufliches Einzelcoaching, betreutes Einzelwohnen, psychosoziale und psychologische Beratung sowie ein niedrigschwelliger Deutsch-Konversationskurs. Der psychosoziale Berater und Sprach- und Integrationskurslehrer, Tarek Sharaf, berichtete, dass er beim Konversationskurs auf positive stressfreie Erfahrungen und Humor großen Wert legt. Wichtig sei auch, dass Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer über sich selbst erzählen, deren persönlicher Zustand müsse nach Möglichkeit eingeflochten werden, so Herr Sharaf.

Die Dozentin an der Volkshochschule Spandau, Micaela Taubert, stellte beim Netzwerktreffen ihren niedrigschwelligen Deutschsprachkurs für psychisch beeinträchtigte Geflüchtete vor, der in Zusammenarbeit mit dem Träger der psychosozialen Arbeit Ginko Berlin gGmbH durchgeführt wird. Die Gruppe besteht aus acht bis zehn lernerfahrenen und ungeübten Teilnehmerinnen und Teilnehmern unter denen sowohl Zweitschriftlerner als auch primäre Analphabeten ohne Stifterfahrung sind. Das Unterrichtsziel ist die Erreichung des A1-Sprachniveuas. Zu den Besonderheiten des Kurses zählen beispielsweise guter Zusammenhalt und Austausch unter den Teilnehmenden, deren Aufnahmefähigkeit aus naheliegenden Gründen schwankt. Frau Taubert setzt deshalb auf die situative Unterrichtsgestaltung und eine entspannte Atmosphäre im Unterricht.

Der Netzwerkkoordinator am Zentrum für transkulturelle Psychiatrie (ZtP) am Humboldt Klinikum Berlin, André Albuquerque de Bulhões, stellte seinen Tätigkeitsbereich vor, der auf die Einbeziehung kultureller, religiöser, ethnischer und sprachlicher Hintergründe spezialisiert ist.

Aus Sicht von Bildungskoordinator Galperin sollte bei der Vermittlung von Sprachkursen oder beruflichen Qualifizierungsmaßnahmen (im Rahmen ausführlicher Beratungsgespräche) stets die körperliche und psychische Verfassung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer geprüft werden. Ist dies nicht der Fall, sollte die Maßnahme gegebenenfalls zurückgestellt und zunächst alltagspraktische und stützende Sozialberatung angeboten werden, so der Bildungskoordinator.

Zum Schluss präsentierte die Bildungskoordination die Fortbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte, die psychisch beeinträchtigte Menschen mit Fluchterfahrung unterrichten. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) plant derzeit eine additive Zusatzqualifizierung „Lernschwierigkeiten im Unterricht mit Schwerpunkt Trauma“, die noch in diesem Jahr angeboten werden soll. Die Bildungskoordination wird rechtzeitig detaillierte Informationen über diese Fortbildungsmaßnahmen veröffentlichen. Darüber hinaus bietet das Institut für Fort- und Weiterbildung der Alexianer GmbH ein Inhouse-Seminar für Lehrkräfte zum Thema "Kommunikation mit (traumatisierten) Geflüchteten ohne deutsche Sprachkenntnisse". Interessierte Lehrkräfte können sich an die Bildungskoordination wenden.

Während der Diskussion wurden auch die Möglichkeiten der Etablierung von Bildungsangeboten für betroffene Geflüchtete im Landkreis Oberhavel besprochen. Bei weiteren Treffen sollen konkrete Maßnahmen erarbeitet werden.

Newsletter Bildung und Integration Mai 2019 in neuem Design erschienen

Die Newsletterausgabe kann hier heruntergeladen werden.

"Der Aufenthaltsstatus spielt für unsere Beratung keine Rolle" - Ein Gespräch mit der IQ-Anerkennungs- und Qualifizierungsberaterin und Projektleiterin Svetlana Müller

Frau Müller, was ist Ihre Aufgabe als Anerkennungs- und Qualifizierungsberaterin?

Mit der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung biete ich meinen Ratsuchenden Informationen und Unterstützung zu Fragen der Anerkennung im Ausland erworbener Bildungs- und Berufsabschlüsse. Das Ziel des Projektes ist die berufliche Integration dieser Gruppe in Deutschland zu fördern. Das Teilprojekt im IQ Netzwerk Brandenburg umfasst neben dem Landkreis Oberhavel auch die Landkreise Ostprignitz-Ruppin, Prignitz, Barnim, Märkisch-Oderland, Oder-Spree und Frankfurt/Oder, wo Kolleginnen und Kollegen in der Beratung tätig sind. Da das IQ Netzwerk vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und vom Europäischen Sozialfonds gefördert wird, ist unser Angebot kostenfrei.

Warum benötigt die benannte Zielgruppe eine Anerkennung ihrer Berufsabschlüsse?

In Deutschland gibt es eine Reihe sogenannter reglementierter Berufe, für die eine Anerkennung ausländischer Abschlüsse erforderlich ist. Nur mit einer solchen Anerkennung darf man in Deutschland in dem Beruf tätig werden oder einen Titel führen. Dies gilt vor allem für Berufe im medizinischen und pädagogischen Bereich sowie im zulassungspflichtigen Handwerk.

Wie sieht es mit nicht-reglementierten Berufen aus?

Bei nicht-reglementierten Berufen ist eine Anerkennung nicht notwendig, um in diesem Berufsfeld tätig zu werden. Sie kann dennoch sehr hilfreich sein, weil eine Anerkennung die Einordnung des ausländischen Abschlusses erleichtert. Dadurch erhöhen sich die Chancen, in Bewerbungsverfahren erfolgreich zu sein und eine der Qualifikation entsprechende Stelle in Brandenburg zu finden.

Wie sieht Ihre Beratung konkret aus?

IQ-Beraterinnen aus meinem Team  bieten in deutscher, englischer, polnischer oder russischer Sprache individuelle Informationen zum Anerkennungsverfahren an und beraten auch zu beruflichen Möglichkeiten in Deutschland. Ferner unterstützen wir bei der Zusammenstellung der Unterlagen für die Anerkennung und begleiten das Verfahren. Darüber hinaus informieren wir zu Fördermöglichkeiten im Kontext des Anerkennungsverfahrens. Allerdings berät das IQ Netzwerk nicht zu schulischen Abschlüssen – das übernehmen die Migrationsberatung beziehungsweise der Jugendmigrationsdienst.

Spielen Aufenthaltsstatus und Wohnort der Kunden eine Rolle?

Nein, wir beraten unabhängig vom Aufenthaltsstatus der Ratsuchenden, gleich ob es sich um EU-Bürger oder Asylsuchende handelt.  Dazu zählen auch Deutsche, die im Ausland einen Berufsabschluss erworben haben und eine Wiedereingliederung in den deutschen Arbeitsmarkt in Brandenburg anstreben.

Frau Müller, wir danken für das Gespräch.

Kontakt: Svetlana Müller
bbw Akademie für Betriebswirtschaftliche Weiterbildung GmbH
Berliner Straße 119-125, Eingang F, Zimmer 122
16515 Oranienburg
Telefon: (03301) 5772 719
E-Mail: svetlana.mueller@bbw-akademie.de

Das IQ Netzwerk Brandenburg ist Teil des bundesweiten Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung (IQ)“, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert wird. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA).

Auch die regionalen Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern verfügen über Anerkennungsstellen für die in den jeweiligen Kammern verfassten Berufsgruppen.

Interview mit Irina Nekrasow, Leiterin des Tanzprojekts "Zeig Dich!" für junge Frauen

Das Tanzprojekt "Zeig Dich!" für junge Frauen mit und ohne Fluchterfahrung ist im März gestartet. Die Bildungskoordination hat mit der Leiterin des Projekts, Frau Irina Nekrasow, über die Gründungsidee, die Zielgruppe und den Beitrag von "Zeig Dich!" zur Integration von jungen Frauen gesprochen.

Frau Nekrasow, wie kam es zu Ihrem Tanzprojekt "Zeig Dich!"?

Die Idee eines Tanzworkshops ist bei einer Seminarfahrt  im Herbst 2018 in Flecken Zechlin zusammen mit jungen Frauen mit Migrationshintergrund entstanden. Die Frauen haben ihren Wunsch selbst formuliert und die begleitende Referentin angesprochen. Diesen ersten Schritt der Beteiligung und Entwicklung eigener Aktivität haben wir aufgegriffen. Durch das Projekt sollen sie in ihrer Erfahrung der Selbstwirksamkeit und gesellschaftlichen Mitwirkung weiter ermutigt werden. Mädchen- und Frauenarbeit ist aber nicht nur ein Thema für Frauen mit Migrationsgeschichte, sondern generell ein Thema der offenen Jugendarbeit.

An welche Zielgruppe richtet sich das Tanzprojekt?

Das Tanzprojekt  richtet sich an Mädchen und junge Frauen mit und ohne Migrationshintergrund im Alter von 14 bis 27 Jahren. "Zeig Dich!" ist  im März 2019 gestartet und soll bis September 2019 mit einer Abschlussreise nach Ostseebad Binz durchgeführt werden. Ich freue mich, dass "Zeig Dich!" durch die Förderung des Bundesprogramms Demokratie Leben umgesetzt werden kann.  

Welchen Beitrag leistet "Zeig Dich!" zur Integration von Mädchen und jungen Frauen?

Wir wollen Neuzugewanderten schnellstmögliche gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben ermöglichen. Dabei sind die jungen Frauen immer stärker in den Fokus gerückt. Es ist uns in den letzten Jahren gelungen, zu einer Gruppe von 15 bis 20 jungen Frauen ein Vertrauensverhältnis aufzubauen und sie an den Jugendmigrationsdienst und seine Aktivitäten zu binden. Unsere Projektidee arbeitet nach den Prinzipien des Gendermainstreamings, orientiert sich an der Arbeit der Mädchen- und Frauenförderung und will einen interkulturellen geschlechterreflektierenden Ansatz in die Arbeit der Partnerschaft für Demokratie einbringen.

Welche Rolle spielt das Tanzen dabei?

Ziel des Projektes ist es, jungen Frauen einen geschützten Raum zu bieten, in dem sie sich ungezwungen entfalten und ausprobieren können. Ein Ort, an  dem sie ihren Interessen nachgehen, ihre Kreativität ausüben und sich ausprobieren können. Tanzen, Körperwahrnehmung, Empowerment, gehen in dem Projekt einher mit Aspekten kultureller Bildung. Das Tanzen fördert den Wissenserwerb durch stimulierte Raum- und Selbsterfahrung. Die Teilnehmerinnen sollen dadurch einen neuen Zugang zu ihrem Körper und ihren Gefühlen entdecken. Die wortlose Bewegung mit dem Körper im Raum und das Erleben von Kreativität eröffnet den Mädchen und jungen Frauen neue Ausdrucksformen für ihre Gefühle und Gedanken und gibt Ihnen jenseits von Sprache eine Kommunikationsmöglichkeit in der Gruppe und darüber hinaus. Diese neuen Ausdruckmöglichkeiten eröffnen den Teilnehmerinnen andere Wege der Kommunikation untereinander, die helfen können, Konflikte zu lösen und Vorurteile abzubauen. Durch ein solches Projekt und das dadurch entstehende Gemeinschaftsgefühl werden die Gruppenfähigkeit und die positive Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper und mit anderen Mitgliedern gefördert.

Sie haben kürzlich mit der Gruppe eine Wochenendfahrt unternommen. Hatte der Ausflug eine positive Auswirkung auf die Gruppendynamik?

Vom 5. bis 7. April 2019 waren wir mit der Gruppe in der DGB-Jugendbildungsstätte in Flecken Zechlin zu Gast. Die Gruppe freute sich sehr, aus ihrem Alltag ausbrechen zu können, etwas Neues zu erleben, alte Bekanntschaften zu pflegen und neue Freundschaften zu schließen. Das Ziel war vor allem, den Gruppenzusammenhalt zu stärken und ein Vertrauensverhältnis entstehen zu lassen. Wir hatten wunderschönes Wetter erwischt, so dass die Pausen zwischen den Workshops ausgiebig zum "Chillen" und gemeinsamen Unternehmungen in die Stadt wie zum Beispiel zum Eis essen genutzt wurden.  Es herrschte eine ruhige und entspannte Atmosphäre, die sich auf alle positiv ausgewirkt hat.

Ist ein Einstieg in die Gruppe noch möglich?

Ja, noch ist ein Einstieg in die Gruppe möglich – es sind noch Plätze frei. Wir tanzen seit April immer freitags von 14 bis 16 Uhr im großen Saal im Bürgerzentrum in Oranienburg (Albert-Buchmann-Str. 17, 16515 Oranienburg). Die Anmeldung erfolgt über mich (Frau Nekrasow, Jugendmigrationsdienst) unter 0175/ 22 354 34 oder i.nekrasow@lobetal.de.

Frau Nekrasow, wir bedanken uns für das Gespräch.

"Starke Teens" - Projekt des Duke of Edinburgh's International Award stärkt soziale Kompetenzen bei Jugendlichen

The Duke of Edinburgh's International Award bietet motivierten Jugendlichen mit und ohne Fluchterfahrung die Gelegenheit, sich im Rahmen des Programms "Starke Teens" außerhalb des Schulcurriculums Herausforderungen zu stellen. Das Programm begleitet die Jugendlichen bei der Bewältigung der Herausforderungen und erkennt ihre Leistungen durch die Vergabe einer Auszeichnung an. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wählen ihre Aktivitäten selbst, setzen ihre persönlichen Ziele und fordern sich selbst heraus, um diese zu erreichen, ganz nach dem Motto: „Du kannst mehr als du glaubst!“ (Kurt Hahn) Am Programm kann man im Alter zwischen 14 und 24 Jahren teilnehmen. Das Ziel von "Starke Teens" ist es, das Programm so einzuführen, dass es nach ein bis zwei Jahren mit wenig Aufwand eigenverantwortlich von den Schulen weitergeführt werden kann.

Chancen für Schülerinnen und Schüler:

• Erfolgserlebnisse und Selbstwirksamkeitserfahrungen

• Selbstständigkeit

• echte Beteiligung, Übernahme von Verantwortung und Engagement

• Freude an Herausforderungen

• neue Freundschaften und Beziehungen

• Stärkung demokratischer Handlungskompetenz & sozialer Kompetenzen (21st century skills)

• Entwicklung und Stärkung von Unternehmungs- und Abenteuergeist, Freude an Naturerfahrungen und Sensibilität für nachhaltiges Leben im Alltag

• Selbstwahrnehmung und Bewusstsein von Stärken und Schwächen

• Entwicklung eines Selbstkonzepts, das auf Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein basiert

• Anerkennung und Wertschätzung der Persönlichkeit im Schulalltag

• Erhalt einer international anerkannten Auszeichnung

Mehr Informationen zum Programm "Starke Teens" erhalten Sie bei der Bildungskoordination.

Sprachcafé in Gransee gestartet

In Gransee gibt es seit Kurzem ein Sprachcafé. Dort haben Neuzugewanderte Gelegenheit, die in Sprachkursen erworbenen Deutsch-Sprachkenntnisse anzuwenden und Kontakte mit Einheimischen zu knüpfen. Die entspannte Atmosphäre des Cafés Hillebrand und fachgerechte Begleitung durch eine Moderatorin unterstützen den Prozess des Spracherwerbs. Eingeladen sind alle an der kulturellen Begegnung interessierten Erwachsenen. Das Sprachcafé findet immer montags von 11.00 bis 13.00 Uhr in der Rudolf-Breitscheit-Straße 39, 16775 Gransee statt. Die Bildungskoordination wünscht allen Beteiligten gutes Gelingen und viele fruchtbare Begegnungen!

"Betriebe gewillt, flexible Lösungen zu finden." - Ein Interview mit "Türöffner"-Programmleiterin Doreen Reichert über Ausbildungschancen und Herausforderungen für Neuzugewanderte

Doreen Reichert leitet seit einem guten Jahr das aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) geförderte Landesprogramm "Türöffner: Zukunft Beruf“. Auf Vermittlung dieses Programms besuchen derzeit rund 30 Schülerinnen und Schüler des Oberstufenzentrums Hennigsdorf verschiedene Betriebe im Landkreis Oberhavel. Unter den Teilnehmenden finden sich viele Neuzugewanderte der Berufsfachschule Grundbildung Plus-Klasse (BFS-G Plus). Für unseren Newsletter war die scheidende Projektleiterin zu einem kurzen Interview bereit.

Frau Reichert, welchen Auftrag verfolgt das Türöffner-Programm?

Unser Programmauftrag ist es, Schülerinnen und Schülern den oft steinigen Übergang zwischen Schule und Ausbildung oder Beruf zu erleichtern. Dazu bauen wir ein stetig wachsendes Netzwerk auf und vermitteln Angebote an unsere Zielgruppe. Ein wichtiger Baustein des praktischen Teils der Berufsfachschulen-Ausbildung ist der Besuch von Oberhaveler Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben.

Warum ist dieser Baustein wichtig?

Durch die Betriebsbesuche sollen die Schülerinnen und Schüler einen Einblick in die reale Arbeitswelt erhalten und ausloten, ob das dort vermittelte Berufsbild ihren Vorstellungen entspricht. Wir fragen allerdings vorher die Grundinteressen der Schülerinnen und Schüler ab – nicht jede oder jeder interessiert sich für ein bestimmtes Handwerk, sodass wir in kleineren Gruppen zu den Betrieben gehen.

Der Lehrbauhof in Oranienburg, ein Metall verarbeitender Betrieb in Germendorf und ein Dachdeckerbetrieb in Hennigsdorf standen bereits auf dem Programm, weitere Handwerks-, Verkehrs-, Logistik- und Pflegebetriebe folgen. Welche Zwischenbilanz ziehen Sie?

Praktische Übungen helfen den Teilnehmenden, eigene Kompetenzen realistischer einschätzen zu können und ermöglichen sogar, Talente sichtbar werden zu lassen. Das stärkt das Selbstbewusstsein. Ein zugewanderter Schüler mit großem handwerklichem Geschick hat beispielsweise gleich einen Praktikumsplatz bei einem der Betriebe angeboten bekommen. Eine Schülerin hat unvermittelt einen Bekannten unter den Beschäftigten eines besuchten Betriebes entdeckt. Auch das trägt zur positiven Assoziation mit dem vorgestellten Berufsbild bei.

Mit Blick auf die Gruppe der Neuzugewanderten – in welchen Bereichen sehen Sie Herausforderungen?

Grundsätzlich sehen die Anforderungen der meisten Betriebe mindestens Deutsch-Sprachkenntnisse auf B1-Niveau vor. Das ist für viele Neuzugewanderte eine Hürde. Aber mit der richtigen Einstellung der Jugendlichen sind die meisten Betriebe nach meiner Erfahrung auch gewillt, flexible Lösungen gemeinsam zu finden. Das Ziel ist es, fähige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufzubauen. Allgemein fällt es Jugendlichen oft schwer, selbstständig Dinge in die Hand zu nehmen – auch wenn es die eigene berufliche Zukunft betrifft. Der Türöffner versucht hier, positive Anreize zu schaffen.

Frau Reichert, wir danken für das Gespräch.

Übersicht und Leitsystem von Fördertöpfen für Bildungs- und Integrationsmaßnahmen

Das aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung geförderte Projekt "Kommunale Bildungskoordination für Neuzugewanderte" informiert über sprachliche und kulturelle Bildungsangebote für Neuzuwanderte im Landkreis Oberhavel, vernetzt haupt- und ehrenamtliche Bildungsakteure und richtet Koordinierungsstrukturen zur nachhaltigen Steuerung dieser Angebote ein.

Viele der Projekte für geflüchtete und neu zugewanderte Menschen werden dank finanzieller Förderung seitens der Europäischen Union, des Bundes, des Landes Brandenburg und einiger Stiftungen durchgeführt. Die Bildungskoordination hat eine detaillierte Übersicht von Fördertöpfen erstellt, aus denen verschiedenste Integrationsmaßnahmen finanziert werden.

Unser Leitsystem, das Sie im ersten Teil der Übersicht finden, hilft Ihnen, sich bei der großen Anzahl von Projektförderungen zurechtzufinden. Viele Förderungen richten sich an jeweils eine bestimmte Gruppe von Zuwendungsempfängern. Bei manchen "Fördertöpfen" muss der Unterschied zwischen Zuwendungsempfängern und der Empfängergruppe beachtet werden. Die Übersicht wird regelmäßig aktualisiert. Bei Fragen, Anregungen oder Wünschen wenden Sie sich gerne an die Bildungskoordination

Newsletter Bildung und Integration März 2019 erschienen

Die Newsletterausgabe kann hier heruntergeladen werden.

Sensibilisierung gegen Islamismus: Schulworkshops verfügbar

Im März wurde in Potsdam das Präventionsprojekt "Reflect – Freiheit beginnt im Kopf" vorgestellt. Die zur allgemeinen Prävention und Sensibilisierung gegen Islamismus konzipierten Workshops werden in Bildungseinrichtungen Brandenburgs durchgeführt. Träger des vom "Bündnis für Brandenburg" geförderten Projektes ist die "Mansour Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention" des Autors und Psychologen Ahmad Mansour. "Reflect" richtet sich an junge, migrierte und geflüchtete Menschen und wird die Themen Gleichberechtigung, Männlichkeitskonzept, Islamverständnis und Antisemitismus behandeln.

Im Rahmen des Projekts lernen die Teilnehmenden, ihre bisherigen Einstellungen zu diskutieren, infrage zu stellen und ihre Ängste abzubauen. Ein Workshop dauert drei Schulstunden und beinhaltet kurze Rollenspiele. Im Rahmen des Projekts werden für das Lehrpersonal Fortbildungen angeboten. Mit diesen werden Lehrerinnen und Lehrer zum Umgang mit patriarchalischen Strukturen und religiösen Narrativen befähigt. An den Reflect-Fortbildungen können auch Schulsozialarbeitende, Schulpsychologinnen und Schulpsychologen sowie Lehrkräfte von Integrationskursen teilnehmen.

Die Workshops des Projekts "Reflect" werden vom pädagogischen Personal sowie Psychologinnen und Psychologen mit muslimischen und Migrationshintergrund durchgeführt. Auf diese Weise könnten auch die Schülerinnen und Schüler, die nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, den Workshops folgen.

Weitere Details zur Durchführung von Workshops können bei den Bildungskoordinatoren erfragt werden.

Zuwendungen zur Förderung der sozialen Beratung und Betreuung von Geflüchteten

Der Landkreis gewährt entsprechend der Richtlinie vom 15.07.2015 Zuwendungen zur Förderung der sozialen Beratung und Betreuung von Geflüchteten. Zum Gegenstand der Förderung gehören u. a. Willkommens- und Austausch-veranstaltungen, Informationsangebote, Orientierungshilfen, betreuende und begleitende Angebote.

Zuwendungsempfänger sind die dem Landkreis Oberhavel angehörenden amtsfreien Städte und Gemeinde sowie das Amt Gransee und Gemeinden. Die im Landkreis Oberhavel tätige gemeinnützige, rechtsfähige Vereine, Verbände und Gesellschaften, gGmbHs, Stiftungen, Initiativen oder Einzelpersonen (hier vornehmlich Ehrenamtsinhaber) können als Letztempfänger ihre Zuwendungsanträge an die zuständigen Stadtverwaltungen, Gemeinden bzw. das Amt Gransee und Gemeinden richten.

Gegenstand der Förderung können insbesondere nachfolgende Maßnahmen / Veranstaltungen / Angebote sein:

  • Willkommens-, Begegnungs- und Austauschveranstaltungen
  • beratende sowie Informationsangebote
  • Bereitstellung von Orientierungshilfen
  • betreuende und begleitende Angebote, insbesondere für die betreffenden Kinder (beispielsweise Hausaufgabenhilfen, Begleitungen im öffentlichen Personennahverkehr)
  • Angebote zur Überwindung sprachlicher Barrieren
  • Stärkung der Selbsthilfe
  • Maßnahmen zur Gewinnung, Einbeziehung und Unterstützung in diesem Bereich ehrenamtlich tätiger Personen

Kontaktinformationen zu den jeweiligen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner in den Städten und Gemeinden des Landkreises können bei den Kommunalen Bildungskoordinatoren erfragt werden.